endlich geschafft.. den urlaub und den text dazu..
so.
Jetzt wird es dochmal wieder Zeit, dass ich euch einges schreibe.. Ich war ja relativ lange nachlaessig mit dem Schreiben und hatte auch immer viel um die Ohren.. ich will mich auch garnicht rausreden. Vielmehr will ich mit der Erkenntnis des gestrigen Tages beginnen:
Wisst ihr wieviel eine Rikshaw kostet? Nein? Wusste ich auch nicht, und dann dachte ich mir, das muss ich doch mal rausfinden. Und tadaa: Sie kostet in etwa 80 bis 100 000 Rupien inklusive Erlaubnnis, das Ding auf der Strasse zu fahren. Die Erlaubnis macht etwa 25 000 Rs. aus. Und man muss keinen Extraschein machen, um das Ding fahren zu duerfen. Fuehrerschein ist hier ja eh eine etwas dubiose Angelegenheit. Es gibt schon Fahrschulen, aber wenn man seine Pruefung macht, wird nichts theoretisch abgefragt, man muss auch keine Fahrstunden nehmen – wenn man die Fahrpruefung ohne Fahrstunden besteht ist auch gut. Hauptsache, man weiss, wann man hupen muss, und man kennt die Handzeichen. Und man kann sich gegen all die Gegner des Strassenverkehrs behaupten..
Die letzten paar Monate sind irgendwie wie im Flug vergangen. Ich weiss auch garnicht mehr so wirklich, was ich eigentlich alles in der Zeit veranstaltet habe.. Im August und September war ich viel unterwegs, um Projekte zu besuchen. Ich will euch auch garnicht mit den Details dazu aufhalten. Es gab viel zu regeln, weil leider nicht alle Projekte so glatt gelaufen sind, aufgeregte Eltern haben bei AFS Deutschland angerufen und Terror gemacht, weil sie wie immer mal wieder nur die halbe Wahrheit kannten, aufgebrachte Freiwillige infiltrieren ihre Negativemotionen anderen Freiwilligen, die eigentlich ganz zufrieden sind.. naja. Das ist so das uebliche, was unter den Leuten so abgeht. Wenigstens kann man sich ab und zu bei einem Gud Bud entspannen – das ist das leckerste Eis, was man in Indien wohl finden kann: unten Obstsalat, dann Trockenfruechte, oben 3 Kugeln Eis. Natuerlich nicht vergleichbar mit dem Eis vom Nonnenhaus oder vom Venezia. Aber fuer Indien garnicht mal so schlecht. Ende September war ich in Trivandrum – ihr erinnert euch an die Geschichte, dass ich dort schon einmal hin bin, mein Zug unglaublich Verspaetung hatte und ich notgedrungen uebernachten musste, obwohl ich garnicht wollte? Wer haette das gedacht: ich bin mit dem gleichen Zug gefahren, und es ist wieder dasselbe passiert: Zug hatte 5 Stunden Verspaetung und ich bin wieder mal voellig ko und muede in Trivandrum angekommen. Aber schoen wars trotzdem. Ich habe wieder gemerkt, wie anders doch die Atmosphaere im Sueden ist, und wie sehr es mir dort gefaellt. Die Kultur ist eher christlich gepraegt, dank der Portugiesen und Niederlaender und der vielen Missionarsarbeit, die dort passiert/ist. Das Klima ist ein bisschen trockener, was angenehmer ist, als unser subtropisches Wetter hier in Kundapur, und in Tamil Nadu gibt es die leckersten Parothas der Welt (http://en.wikipedia.org/wiki/Paratha, http://deepa-cooks.blogspot.com/2007/07/paratha.html). Ich hatte dann noch einmal schrecklich stressige eineinhalb Wochen Arbeit, bevor ich endlich in meinen Urlaub starten konnte.
Ich werde jetzt einfach mal im Schnelldurchlauf einiges erzaehlen – wenn ich ins Detail gehe, dann wird das sicher zu langweilig und ihr koennt euch ja auch die Bilder angucken – das hinterlaesst sicher viel mehr Eindruecke, als wenn ich es alles erzaehle.
Der Urlaub startete in Goa. Ich war eine knappe Woche da und hab mich hauptsaechlich an den Straenden des noerdlichen Teils rumgetrieben. Scooter gemietet, und dann ersteinmal 2 Tage lang alle Straende abgeklappert, die es im Norden so gibt, in der Hoffnung einen schoenen und vor allem weniger ueberfuellten zu finden: Calangute, Anjuna, Vagator, Arambol, Mandrem, Querim. Das koennt ihr euch auch alles auf der google map anschauen. Letztendlich war dann Mandrem der wirklich schoenste Strand, den ich hier je gesehen habe: weit und breit nur weisser Sand, ein paar Palmen, kaum Touristen. Ideal also, um sich von den Strapazen des letzten halben Jahres zu erholen. Ich weiss, dass es fuer einige komisch klingen mag – die Steffi ist in Indien, dann auch noch an der Kueste; was beschwert sie sich? Aber ich arbeite hier wirklich so unglaublich viel mehr, als ich es je erwartet haette. Und so ein Umgang mit kleinen verzweifelten Freiwilligen ist auch nicht immer einfach..
Wie gesagt, Erholung war dringend noetig und die hab ich mir dort definitiv holen koennen: mit Bikini am Strand (sehr gewoehnungsbeduerftig), Bier gegen spaeteren Nachmittag (auch noch in der Oeffentlichkeit) und Sonnenbrand. Und es kam auch wie es kommen musste: man ist mitten in der Pampa am Strand im Nirgendwo und wen trifft man? Natuerlich seine Freiwilligen.. Ich habe mich aber gleich etwas zurueckgezogen und bin nicht so arg auf Konversation gegangen – irgendwas muss ja im Urlaub anders sein.
Ich konnte sogar in den Genuss kommen ein bisschen surfen zu lernen. Alles in allem waren die ersten Tage total erholsam. In Panjim bin ich dann auch noch zufaellig auf einer Gujaratischen Neujahrsfeier gelandet. Gujarat ist ja ein Bundesstaat Indiens und dort tragen die Maenner das Dress, was einem wohl als erstes einfaellt, wenn man an Indien denkt: Kurta und lange shawls (http://www.jaipurhandicrafts.com/products/Kurta-Pajamas/Kurta-Pajamas27.jpg). Das Fest heisst eigentlich Navaratri und ich hab auch auf meiner Bilderseite ein paar Bilder und Videos reingestellt. Es gibt einen traditionellen Tanz, bei dem 2 Kreise gebildet werden und zur Musik wird dann mit Holzstuecken gegeneinander geschlagen. Ich wurde auch eingeladen, mitzutanzen, aber ich habe abgelehnt – die Leute haetten mich sicherlich ausgelacht.. Fuer mich beeindruckend zu sehen war, dass die Frauen ihre Saris anders gebunden hatten, als ich es vom Sueden kannte. Bis dahin dachte ich, es gaebe nur diese eine Art. Generell habe ich mit der Zeit auch immer mehr beobachtet, wie jede Frau ihren eigenen Stil hat. Am Anfang findet man alles irgendwie bunt und gleich geschnitten. Es hat schon etwas uniformes teilweise – die meisten Frauen tragen eben Sari und Chudida (Salwar Kameez). Aber irgendwie hat jede Frau ihre eigenen Vorliebe, was die Stoffe, Muster, Aermellaenge, Ausschnittform, Hosenstil, Top-Laenge und Schalform angeht. Und mittlerweile kann ich mich auch immer mehr damit identifizieren. Mann muss ja nichts tragen, nur weil man es schoen findet – ich finde oft Sachen an anderen schoen, wuerde sie aber selber nicht anziehen. Und so nach und nach findet man dann doch schon raus, was einem auch steht und was man anziehen mag (ich hab nur leider meine Zweifel, ob ich das Zeug dann auch in Deutschland anziehen kann.)
Ok, weiter in der Reise: dann ging's mit dem Flugzeug nach Delhi – man darf immer nicht vergessen, wie gross doch dieses Land ist und da kann man sich schon mal so einen Flug goennen und enorm viel Zeit sparen. In Delhi war dann 5 Tage Amok-Sightseeing angesagt. Eigentlich hatte ich nicht gedacht, dass ich da so lange bleiben wuerde, aber es gibt so unglaublich viel dort zu sehen und es einfach immer was los: Old Delhi mit Chandni Chowk, Jama Masjid (groesste Moschee Indiens) und das Red Fort, das Regierungsviertel mit den Regierungswohnungen und dem Central Secretariat, Nizzamudin, Humayuns Grab, Qutab Minar (aeltester Turm in Indien – aus dem 16. Jh), der Lotustempel... Da steht wirklich an jeder Ecke was und man kommt abends einfach nur kaputt nach Hause und nicht so schnell hinterher, die ganzen Eindrucke zu verarbeiten. Delhi ist riesig, es sind viele Fahrrad- und Autorikshaws unterwegs – von denen ich die Fahrradrikshaws zum ersten Mal in meinem Leben gesehen hab, der Bahnhof ist ein riesiges Monstrum und man braucht Ewigkeiten um die 17 Gleise zu ueberqueren, um zur Metrostation zu gelangen, die Metro ist komplett aus deutscher Technologie gebaut und ueberhaupt ist Delhi mal wieder Kontrastprogramm auf jedem Quadratmillimeter: die Metro ist unglaublich modern, sauber, geraeumig und kaum verlaesst man sie und steigt im Chandni Chowk aus, kommt einem gleich das Glockengelaeut aus dem kleinen Hindutempel davor entgegen. Wenn man ueber die Strasse geht, ist man gleich in einem der groessten und beliebtesten Maerkte Delhis – hier sind Stofflaeden an Schmucklaeden an Restaurants an Buchlaeden und dann geht man um die Ecke und schon ist man im touristenueberfuellten Red Fort. Dann kann man zum Connaught Place fahren, findet dort 3 Kinos, alles, was das westliche herz begehrt angefangen bei McDonalds und Subways bis zu Levi's, United Colors of Benetton, Nike und Co, wo man verdammt viel Geld lassen kann, wenn man will. Und zwischendrin laeuft der Chai-Mann und bietet seinen Tee fuer 5 Rupien an. Man kommt an Kirchen, Sikh-Tempeln, Hindu-Tempeln vorbei und der Kopf kann sich eigentlich nie ausruhen. Abends hat man dann die Qual der Wahl vor den kleinen food stalls und Restaurants. Denn in Indien gilt das Prinzip: einen allein findet man nicht – wenn dann gleich mehrere. Das heisst, wenn an einer Ecke ein Restaurant aufmacht, machen kurz darauf 100%ig noch 5 andere auf. Dann setzt sich gleich noch ne Bakery daneben, um Suessigkeiten fuer den Nachmittag zu verkaufen. Dann kommt auch noch ein kleiner Stand davor, um Snacks fuer den Nachmittag anzubieten, usw. Usf. In Indien ist irgendwie immer was los. Die Inder lieben den Konsum. Wenn man auf den Markt geht, kann man die ganzen Frauen sehen, wie sie voller Genuss ihr Shoppingbeduerfnis stillen koennen. Frauen lieben es einkaufen zu gehen: Saris, Stoffe fuer den Schneider, Bangles (Glasarmreife), Schmuck, Kram fuer die Schoenheit und alles, was in den Haushalt gehoert. Ich denke, dass die Inderinnen den Europaeern in nichts nachstehen. Sie lieben es in den Laeden zu stehen und stundenlang zu verhandeln. Man geht eigentlich auch nicht alleine einkaufen – man braucht den Rat der Freundin, Mutter, Tante, Nachbarin.. Eigentlich nur verstaendlich: der Hauptaufenthaltsort fuer die indische Frau ist das Haus. Sie kocht, waescht Waesche, haelt das Haus sauber, haelt der Familie den Ruecken frei.. Da sind solche Ausfluege Eroberungszuege in die Freiheit..
Ich bin etwas abgeschweift..
Delhi war sehr beeindruckend fuer mich: die Menschen sehen anders aus, man hoert mehr Hindi (bei uns sprechen ja alle Kannada), es gibt mehr Maenner mit Turban (Sikhs), das Essen schmeckt anders und generell ist der Einfluss aus dem Arabischen sehr deutlich. Die Architektur ist absolut beeindruckend – sowohl die der Moguln als auch der Stil der Briten waehrend der Kolonialzeit. Da verbinden sich die verschiedenen Stile miteinander und es entsteht teilweise eine ganz skurrile Mischung.
Ein Tag war dann noch fuer das Taj Mahal in Agra reserviert: Allein die Zugfahrt war fuer mich ganz beeindruckend: klimatisiert, es wurden Tee, Snacks, Fruehstueck serviert, jeder bekam seine eigene Wasserflasche und eine Tageszeitung. Die Inder lieben das Zeitungslesen. Es gibt relativ viel Auswahl nationaler und lokaler Zeitungen, allerdings ist der Informationsgehalt relativ gering. Die Inder sind Koenige des Zeitungs-blablas. Sie schreiben viel der Worte wegen, aber irgendwie geht dabei immer die Haelfte an Information verloren. Werte spiele eine wichtige Rolle, deshalb geht es in den Artikeln auch eher darum bestimmte Sachen zu verurteilen oder zu unterstuetzen – je nach politischer Haltung und Loyalitaet des Herausgebers und Verlags. Wenn man morgens an den Busbahnhof oder zum Zug kommt, wird man viele Inder mit Zeitungen in der Hand finden – allerdings kaum Frauen. Waehrend meines ganzen Aufenthaltes in Indien habe ich nur eine einzige Buch-lesende Frau gesehn. Findet man die Zeitung im Zug oder im Bus darf man sie lesen, solange man sich in selbigem befindet. Wenn der Nebenmann Zeitung liest und den ersten Teil zur Seite legt, dann darf man ungefragt zugreifen und letzteren lesen. Auch das Lesen der Zeitung des Nachbars nebenbei ist erlaubt – und sogar erwuenscht. Schliesslich kann es einem passieren, dass man danach mit den Leuten in ein Gespraech kommt, bei dem es natuerlich um Politik geht. Da muss man ja informiert sein und vor allem schon seine Meinung haben. Meinung haben ist wichtig – und anderer Leute Meinung unterbuttern auch. Allerdings nur im Disput. Das ist wohl das einzige offensichtliche Schlachtfeld, in das sich der Inder wagen wuerde. Schliesslich geht es da nicht um die Ehre der Familie und des Namens.
Agra war beeindruckend: das Taj sieht auch von Nahem immernoch aus, als wuerde es direkt aus einem Maerchen dorthin gesetzt worden sein, oder als wuerde man immernoch traeumen. Auslaender mussen fuer den Traum auch glatt mal hundertmal so viel bezahlen wie der gebuertige Inder.. nichtsdestotrotz ist es das definitv Wert. Es war zwar voller Touristen aber dennoch unglaublich schoen. Wenn man so dicht am Taj dran ist, kann man im Sonnenschein kaum gucken, weil der weisse Marmor so blendet. Die Grabkammer selbst war enttaeuschend klein, aber dennoch findet man ueberall kleine Schaetze: Verzierungen aus Blumen, wunderschoene Muster, Inskriptionen auf Arabisch. Wenn man weiter vom Taj weg steht, sieht es aus, als wuerde der Eingang einen grossen Rahmen haben – von dichter dran sieht man dann, dass das alles Schrift ist. Aus schwarzem Marmor. Mich hat das alles unglaublich beeindruckt, vor allem, wenn man sich ueberlegt, dass es jemanden gegeben hat, der das alles per Hand produziert hat. Alles sieht so perfekt und akkurat aus. Ich hab versucht, einige der Muster abzumalen, aber es einfach unglaublich kompliziert. Je laenger man hinschaut, desto mehr Details erkennt man und umso unmoeglicher erscheint es einem, das zu kopieren. Und trotzdem sieht das alles so perfekt aus, es gibt eine unglaubliche Vielfalt an Mustern und Formen. Das einzige was bleibt, sind geometrische und architektonische Grundformen und die Baumaterialien (Roter Stein, Marmor). Ich denke, es ist einfach das beste, wenn ich euch die Bilder anschaut.
Das Fort von Agra ist sehr viel schoener als das in Delhi, bietet viel mehr Abwechslung fuers Auge, aber auch hier ist irgendwie alles viel zu viel, um sich mit jedem Detail zu beeschaeftigen. Man muesste wahrscheinlich Jahre lang dort wohnen, um jeden Winkel zu erforschen und zu wuerdigen.
Zu guter letzt ging es dann noch nach Sikandra, was irgendwie ein schoener Abschluss fuer den Tag war. Die ganze Anlage sah Humayuns Grab in Delhi sehr aehnlich, war aber viel grosszueger verziert und nicht so streng in den Formen. Es gab kaum Touristen dort und die Sonne ging unter.
Ich denke, dass die Fotos eh viel besser das eingefangen haben, was ich nicht erzaehlen kann.. Ich hatte jedenfalls permanent das Gefuehl, mit einem offenen Mund durch die Gegend laufen zu muessen und alles zu absorbieren, aber doch nur die Haelfte von dem wirklich zu begreifen, was da um mich herum passiert.
Die letzte Woche ging es dann endlich in die Berge – ins Himalaya. Es gab ein bisschen Konfusion wegen des Wetters – in den Bergen war es ja schon relativ kalt und ich hab ja nichts gescheites zum Anziehen fuer die Kaelte, aber letztendlich war dann Kullu das Ziel. Ich bin am Morgen angekommen und es war tatsaechlich relativ kalt. Aber was mich wirklich am allermeisten fasziniert hat, war der Fakt, dass es so verdammt nach Guatemala aussah. Es roch gleich, es sah so aehnlich aus, das Klima war genauso wie in Xela damals, wo ich die ersten 2 Monate in Guatemala gewohnt habe. Ich hab mich gleich auch an Nebaj und Thea erinnert gefuehlt und an den Trip zum Tajumulco mit meinen Eltern damals. Das war wirklich ein sehr beeindruckender Flashback.
Die Woche in den Bergen war wirklich wunderschoen: die Menschen sahen so aus, wie ich mir Nepalesen oder Tibeter vorstelle und deshalb faellt es mir schwer, diese Region mental wirklich Indien zuzuordnen. Kullu selbst ist eine relativ kleine Stadt – es gab auch keine Touristen dort. Erst im 40km entfernten Manali findet man dann wieder Touristenhorden.. Durch das Tal fliesst der Beas River und es ist beruehmt fuer seine Schals (Pashmina, Angora, Seide, Yakwolle,..). Die Woche verging dann auch superschnell mit Ausfluegen als erstes zum Bijli Mahadev Tempel, der fuer mich einer der schoensten Orte meines Indienaufenthalts soweit ist – ein kleiner Holztempel, irgendwie schon tibetisch im Stil, kein Mensch weit und breit, einem kleinen Garten um den Tempel herum (mit Studentenblumen, kleinen Nelken, Astern, Geranien!) und einer atemberaubenden Sicht auf die Berge – schaut euch einfach die Bilder an.
Am naechsten Tag gabs dann eine Tour durch das Kullu Valley nach Naggar – einem sehr sehr schoenen kleinen Ort mit kleinem Schloss, was als Residenz fuer den Mogul diente und irgendwann gegen ein Gewaehr an die Briten getauscht wurde – Manali, zu heissen Quellen nach Vashisht, kleinen Tempeln in kleinen Doerfern..
Der Baustil der Haeuser ist wirklich so verschieden, von allem, was ich bis jetzt gesehen habe: die Hauser werden aus Holz und Schiefer gebaut – speichert die Waerme des Tages – manachmal auch mit Lehm. Die Daecher sind flach, damit Maiskolben und Chilischoten darauf fuer den Winter getrocknet werden koennen, und oft gibt es eine erste Etage aus Holz, die aussieht wie eine grosse verglaste Veranda.
Irgendwie hatte das alles auch was von den Alpen. Ich hab mich richtig zuhause gefuehlt und sogar wilde Erdbeeren gefunden..
Der letzte grosse Ausflug ging dann zum Prashar See – angeblich einer der schoensten Seen des Bundesstaates. Die Fahrt auf knapp 2800m Hoehe hat 4 Stunden gedauert und um ehrlich zu sein, war ich mir nicht so ganz sicher, ob ich diese Fahrt jemals ueberleben wuerde. Der Fahrer ist die Strecke selbst noch nie gefahren (war aber schon oefter so da) und hatte generell die schlechtesten Fahrkuenste der Welt: der 2. Gang am Berg schien ihm voellig entgangen zu sein (es gab nur den 1. oder den 3.), wie man Kurven nimmt, wusste er auch nicht so wirklich (reinrutschen schien seine beste Methode zu sein) und dass man nicht moeglichst schnell uber die Piste heizen muss, hatte er wohl auch noch nicht in seinen Erfahrungsschatz auf indischen Strassen bringen koennen (wie auch – sonst heizen sie ja immer alle). Jedenfalls war der Abgrund oft genug relativ dicht (auf der Hinfahrt sass ich auch noch auf der Seite im Auto), und am Ende des Tages war ich einfach nur erschoepft vom Festhalten und der nervlichen Anspannung. Allerdings hat sich die Fahrt des Ausblicks wegen wirklich gelohnt. Der See an sich war relativ enttaeuschend – eher ein Wasserloch als See. Daneben stand aber ein kleiner Shivatempel und der Blick auf die Berge war einfach nur atemberaubend.
Tja und dann war der Urlaub auch schon vorbei und ich habe 3 Tage Rueckreise angetreten: von Kullu nach Chandigarh (Bus), von Chandigarh nach Mumbai (Flug) und von Mumbai nach Kundapur (Flug nach Mangalore und dann Bus nach Hause). Eine kleine Anekdote zu Mumbai: ich hab dort im Hotel von Hare Krishna uebernachtet – es war in Flughafennaehe und mit Abstand das billigste. Allerdings war die Nacht von Pujagesaengen begleitet und auch die Gaeste wurden gebeten um 4 Uhr morgens Teilzunehmen. Krass fand ich auch, dass man am Eingang mit Hare Krishna begruesst wurde.. (http://de.wikipedia.org/wiki/Hare_Krishna). Naja, wird unter Erfahrung sammeln abgebucht..
Wieder zurueck in Kundapur hat es sich angefuehlt, als waere ich nie weggewesen. Alles wieder beim Alten und vor allem mehr Arbeit als je zuvor. Der Alltag hat mich wieder.
Seitdem ich wieder da bin, hab ich jetzt ganz schoen viel wieder gearbeitet und es ist bis Weihnachten erst auch einmal keine Entspannung und vor allem kein freies Wochenende in Sicht.
Zwischendrin war ich noch einmal in Gokarna – das ist ein Strand ungefaehr wie Goa, nur weniger bekannt, weniger voll, aber dafuer voller Israelis.. Da konnte ich mir nochmal schoen Sonnenbrand holen, bevor ich wieder ins Buero komme..
Weihachten selbst habe ich gluecklicherweise eine Woche frei und muss mal schauen, was ich da machen werde. Die Preise sind dann relativ hoch und reisen dementsprechend teuer. Zu Silvester muss ich arbeiten, aber wir werden hier bei uns im Haus wohl eine kleine Party schmeissen (fest steht schon, dass wir Mousse au chocolat, Fondue und Cocktails machen wollen. Allerdings werden wir dazu wohl sukzessive alle Alkohollaeden Kundapurs im Laufe des Monats Dezember leerkaufen muessen – wenn man einen Grosseinkauf machen wuerden, waere man das Gespraechsthema der Stadt fuer die naechsten 5 Jahre.. Frauen, trinken, und dann noch so viel.. das geht auf garkeinen Fall. Nicht in Indien.
Manchmal ist das schon merkwuerdig, dass man in Indien ein Doppelleben fuehren kann: In der Woche in Kundapur, Indien, sich hier anpassen. Am Wochenende kann man dann Urlaub machen, fuer 250 Rs essen (normalerweise bezahlt man in Kundapurs Restaurants fuer ein Essen ungefaehr 50 Rs), teuer uebernachten und wenn man nicht will, braucht man keinen Kontakt zu Einheimischen machen. Ich frage mich sowieso, was die Menschen, die nur 2 Wochen in Goa oder an sonstigen touristischen Orten sind, fuer einen Eindruck von Indien mit nach Hause nehmen. Man wird ja an solchen Orten nie so wirklich mit kulturellen Differenzen konfrontiert. Wenn man will, muss man nichts sehen.
Ausserdem ist mir aufgefallen, dass die Leute an Touristenorten ueberall die Hand aufhalten. Immer soll man sein Geld irgendwo lassen. Mit welchem Recht? Warum soll ich mein Geld geben, nur weil ich Auslaender bin. Andererseits, warum auch nicht? Ich hab definitiv mehr Geld als die meisten Leute (aber wohl auch nicht mal mein eigenes). Aber wenn ich einem was gebe, muss ich dann allen was geben? Und nach welche Kriterien soll dann eine Selektion stattfinden? Das ist schon schwierig. Es gibt wohl keine Antwort darauf, aber es nervt auch an, dass jeder nur am Geld der Touris interessiert ist. So sollte es ja auch nicht sein. Andererseits muss es ja funktionieren, sonst gaebe es ja nicht so viele Leute von der Sorte.
So, jetzt hab ich mal wieder viel zu viel geschrieben. Herzlichen Glueckwunsch, wenn ihr bis hierher gekommen seit. Wer mich kennt, weiss, dass ich noch viel mehr erzaehlen koennte, allerdings glaube ich, dass das hier fuer den Anfang erstmal reichen muss.
Im Moment arbeite ich grade an meiner “typisch Indien”-Sammlung – Sachen/Geraeusche/Bilder/Menschen/Gerueche, die mir hier taeglich begegnen und die ich definitiv vermissen werde, wenn ich dieses unglaublich spannende Land wieder verlassen muss. Da werde ich demnaechst hoffentlich was hier reinschreiben.
Ich gruesse euch alle ganz lieb und hoffe, dass es euch gut geht.
Zur Info: mittlerweile ist es halb sieben abends (das heisst, ich habe eineinhalb stunden hierdran geschrieben, draussen ist es jetzt dunkel geworden, ich habe mich nach drinnen gefluechtet, weil die Moskitos unertraeglich werden), wir haben immernoch 27°C, ich werde heute abend wahrscheinlich mit der Miri Nudeln kochen oder mir ein paar Samosas kaufen und den Abend lesenderweise verbringen (The Sari Shop - http://www.amazon.de/The-Sari-Shop/dp/0141015616/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1226840800&sr=1-1) bevor ich mich morgen wieder voll in die Arbeit stuerzen werde...